Motoball in Halle-Neustadt

Männer und ihre Hobbies

Was dem einem der Fußball, ist dem anderen das Motorrad. Der Motoballclub 70/90 Halle vereint beiden Interessen und spielt kurz gesagt Fußball auf Motorrädern.

Motoball ist die wohl schnellste Mannschaftssportart der Welt und ein Sport für richtig Harte. Wir haben uns das Treiben auf dem Motoballplatz in Halle-Neustadt einmal angesehen und sind an einem Samstagmorgen zum Training der Jugendmannschaft gefahren.
Wenn sich andere noch in den Betten räkeln, geben die Jungs vom MBC im wahrsten Sinne des Wortes Vollgas. Der Motoballplatz liegt direkt neben dem Stadion und kann aufgrund der Geräuschkulisse gar nicht verfehlt werden. Schon von weitem dringen die Motorengeräusche an unsere Ohren und bald tut sich auch das wilde Treiben dazu auf. Der Regen am Tag zuvor hat den Schotterplatz teilweise in eine Matschlandschaft verwandelt, dementsprechend sehen die Spieler und Motorräder aus.
Sieben blaue Simsons tummeln sich auf dem Platz, düsen von links nach rechts, riesige Fußbälle fliegen umher, Dreck spritzt, aus einigen Auspuffen steigen Qualmwolken und es kracht und knattert von allen Seiten. Zum Glück steht uns der Schiedsrichter und 2. Vorsitzende des Vereins, Torsten Wochatz, zur Seite und bringt Struktur in das bunte Treiben.
“Eine Motoballmannschaft besteht aus einem Torwart und acht Spielern, wobei vier davon auf dem Feld sind, die anderen sind Auswechselspieler”, erklärt er. “Ein Motoballspiel dauert vier mal 20 Minuten und unterliegt natürlich auch Regeln. Man darf zum Beispiel keine Hand verwenden und gegnerische Spieler nur von ballführender Seite angreifen.”
Bei dem raschen Spielverlauf den Überblick zu behalten, ist gar nicht so leicht. Ein großer Fußball liegt auf dem Spielfeld, die Spieler ziehen am Gashahn, die Maschinen brüllen – und dann geht es los. Mit hoher Geschwindigkeit fegen die Jungs über den Platz, immer dem Ball hinterher, und der soll hinein ins gegnerische Tor.
Die Spieler der Jugendmannschaft sind zwischen zwölf und 18 Jahren und gerade inmitten der Ausbildung zum Motoballspieler. Hier lernen die Jungs, Koordination und Aufmerksamkeit zu trainieren, und während sie Motorrad fahren, den 1,2 Kilogramm schweren Ball und die Spielregeln gleichzeitig zu meistern.
“Motoballspieler ist man nicht gleich, dazu wird man ausgebildet”, erklärt Torsten Wochatz. Neulinge ab elf Jahren mit Mut und Geschick können sich im Verein melden und den Sport ausprobieren. Mitzubringen sind lediglich feste Schuhe und Schutzausrüstung, die Motorräder stellt der MBC 70/90 Halle.
Wem das zu viel ist, der kann sich auch vorm Tor postieren, denn Torleute werden dringend gesucht. Und wer die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, darf ab 18 in die Erwachsenen-Mannschaft und in der Bundesliga mitspielen. Da geht es dann von den kleinen 80-Kubikzentimeter-Simsons auf 250er Maschinen. Doch außer der Größe des Motorrads ändert sich nicht viel. Motoballmaschinen sind optisch kaum von normalen zu unterscheiden, sie haben lediglich einen Ballführungsbügel an der Unterseite und sind mit zwei Handbremsen ausgestattet.
Regelmäßig findet auch der Werkstatttag statt, an dem die Motorräder gewartet und gepflegt werden. Der MBC 70/90 ist einer von 16 Vereinen, die um die Deutsche Meisterschaft spielen. Die schnelle Ballsportart ist auch hier ganz klar männerdominiert. Es gibt deutschlandweit nur eine Frau, die in der Bundesliga aktiv ist – und die muss sich richtig durchbeißen.
Der Sage nach kam die Motoball-Welle einst aus Frankreich nach Deutschland geschwappt. Es gibt Aufzeichnungen von einem Turnier in Dresden im Jahr 1923. Durch den Zweiten Weltkrieg geriet die Disziplin ein wenig in Vergessenheit. Erst ab 1950 kam sie wieder auf und ist seit 1970 auch in Halle präsent. Auf dem Platz am Stadion werden die Heimspiele des Vereins ausgetragen. Die nächsten am 19. Juni und 3. Juli, wo die hiesigen Motoballer kräftig angefeuert werden möchten.

Zum Artikel! (Quelle: www.blitz-world.de / 11.06.2011 / Wort und Bild: Sandra Reichel)

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