HALLE (SAALE)/MZ.

Der 1. Motoballclub 70 / 90 Halle betreibt den Sport seit 1970. Doch am Sonntag endet mit dem Heimspiel am Bildungszentrum gegen den MSC Pattensen eine Saison, die von so vielen unschönen Begleitumständen geprägt war wie keine zuvor.

Motoball ist ein einfaches Spiel: Zwei Teams mit je vier Feldspielern auf Motorrädern und einem Torwart versuchen, einen 40 Zentimeter großen Ball ins gegnerische Tor zu schießen.

“Die Misere begann eigentlich bereits mit dem letzten Spiel der vergangenen Saison”, erzählt Torsten Wochatz, der zweite Vorsitzende des Vereins. Nach einem turbulenten Spiel kam es zu einem Eklat, als sein Sohn und Abwehrchef Marc den Schiedsrichter trat, weil dieser Fouls an ihm nicht geahndet hatte. Das Sportgericht sperrte ihn bis zum 30. Juni 2012.

Das Verhalten, sagt Vater Wochatz, sei nicht zu tolerieren. “Aber der Schiedsrichter muss doch eine Partie ruhig halten und die Spieler schützen.” Und damit spricht er den wunden Punkt an, unter dem die ganze Sportart zunehmend leidet. Die Spielleiter werden nämlich von den jeweiligen Teams gestellt. Das führte vermehrt zu fragwürdigen Pfiffen und Tumulten.

So geschehen Mitte Juli im Spiel gegen den MSC Seelze. Dort durfte Marc Wochatz das erste Mal wieder aufs Motorrad. Irgendwann schrie er einen Mitspieler an: “Beweg dich doch mal” – und der Schiedsrichter glaubte, die Formulierung sei an ihn gerichtet gewesen. Rote Karte wegen Beleidigung. Vater Wochatz erlitt einen Schwächeanfall. Das Spiel wurde abgebrochen.

Das Schiedsrichter-Problem ist vergleichsweise neu, denn es gab Zeiten, in denen externe Unparteiische eingesetzt wurden. “Leider ist die Ligaleitung aber zurückgerudert und hat diese Saison wieder vereinseigene Schiedsrichter zugelassen. Ein Unding. Selbst beim Fußball in der Stadtliga pfeifen Neutrale”, so Torsten Wochatz.

Das Dilemma hat finanzielle Gründe. Motoball wird nicht professionell betrieben. Es gibt nur die Bundesliga Nord, in der auch der MBC spielt, und die Bundesliga Süd. Die Mehrheit der Vereine war nicht bereit, die rund 2 000 Euro im Jahr für neutrale Schiedsrichter aufzubringen. Die erhalten zwar nur eine Aufwandsentschädigung von 30 Euro, aber durch die weiten Fahrten, mitunter bis nach Leverkusen, läppern sich Fahrtkosten.

Wochatz kann das Problem dennoch nicht verstehen. Die Vereine hätten schließlich auch Geld für acht bis zehn Motorräder. Stückpreis: 5 800 Euro. “Das muss man nur anders organisieren. Daran wäre kein Verein pleitegegangen.”

Noch so eine Saison, so lässt Torsten Wochatz durchblicken, würde der MBC nicht mitmachen. Man habe schon überlegt, aus der Bundesliga auszusteigen, wenn es so weitergeht. “Manchmal frage ich mich schon, warum ich das eigentlich mache. Das ging sehr an die Nieren.” Aber dass es wirklich so weit kommt, will er trotzdem noch nicht so recht glauben: “Es wird eine Schiedsrichterreform geben. Dafür hat es in letzter Zeit einfach zu viel Theater gegeben.”

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